Leistungsstarkes Netzwerk aus Forschern, Pharmakonzernen und Impfstoffentwicklern

Auf der fünften Sitzung des länderübergreifenden Strategieforums FrankfurtRheinMain berichteten die anwesenden Wirtschaftsvertreter über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Unternehmen in ihren jeweiligen Kammerbezirken. Wir haben uns einmal umgeschaut, welche zentralen Beiträge Unternehmen, Hochschulen und Kliniken aus der Region bei der Bekämpfung der Pandemie leisten.

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Corona-Virus
Animation Corona-Virus

Im Januar 2020 wurden die ersten Proben des damals „neuartigen“ Corona-Virus Expertinnen und Experten weltweit zur Erforschung bereitgestellt. Vor dem Hintergrund der Gefährlichkeit dieser neuartigen Erkrankung machten sich rund um den Globus Forscher, Pharmahersteller und Impfstoffentwickler an die Arbeit, um so schnell wie möglich Medikamente gegen eine Corona-Infektion oder Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Vor allem in der Metropolregion Frankfurt / Rhein-Main hat sich hierzu ein leistungsstarkes Netzwerk von Forschern, Pharmakonzernen und Entwicklern etabliert, die gemeinsam mit anderen Unternehmen, Instituten und Universitäten an der Entwicklung verschiedener Wirkstoffe arbeiten.

Universitäre Forschung

Die Universitätsmedizin Mainz sowie die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz haben eine Studie begonnen, in welcher Verbreitung und Risikofaktoren des SARS-CoV-2-Virus, Folgen einer Erkrankung sowie die Auswirkungen des Pandemiegeschehens erforscht werden sollen. „Erklärtes Ziel der Gutenberg COVID-19 Studie ist es, auf Basis der großen Bevölkerungsstichprobe mit umfangreichen Daten zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Informationen für den Gesundheitsbereich, aber auch für die Wirtschaft, die Arbeitswelt sowie den Bildungsbereich zur Verfügung zu stellen. Dies in erster Linie hier vor Ort und in der Region aber natürlich auch mit entscheidender Bedeutung weit darüber hinaus. Damit ist die Gutenberg COVID-19 Studie ein zentrales Projekt zur Untersuchung der Corona-Pandemie in der vielfältigen Forschungslandschaft, die der Forschungs-standort Rheinland-Pfalz zu bieten hat“, erläutert Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf. Hier können Sie mehr erfahren.

Auch die Universitätsklinik Frankfurt am Main schloss sich mit einer Vielzahl verschiedener Universitätskliniken zusammen und bildete das deutschlandweite „Netzwerk Universitätsmedizin“.  Bereits ein halbes Jahr nach seiner Gründung präsentierte das Netzwerk den Zwischenstand seiner Forschungsaktivitäten zur COVID-19-Pandemie.  Das Universitätsklinikum Frankfurt ist dabei an acht von 13 Projekten beteiligt – bei drei in federführender Funktion. Das „Netzwerk Universitätsmedizin“ arbeitet daran, übergreifende Strukturen zur Vernetzung der COVID-19-Forschung zu schaffen und die Maßnahmen, Diagnostik- und Behandlungsstrategien zusammenzuführen. Die Daten der COVID-19-Patientinnen und -Patienten – insbesondere Symptome, Krankheitsbilder und Reaktionen auf Medikamente und therapeutische Maßnahmen – werden systematisch erfasst und gebündelt. Ziel ist es, die Erkenntnisse zügig in die Praxis einfließen zu lassen und somit die bestmögliche Versorgung aller COVID-19-Erkrankten zu gewährleisten. Das Netzwerk soll außerdem dazu beitragen, auf künftige epidemiologische Ereignisse noch schneller und strukturierter reagieren zu können, indem das intelligente Digital-Tool „ENVISION“ für die Echtzeitüberwachung von Patienten mit COVID-19 und intelligenter Entscheidungsfindung in Intensivpflegeeinrichtungen implementiert werden soll. Die Europäische Kommission unterstützt dieses Projekt mit Zuschüssen aus dem „Medical Technologies, Digital Tools and Artificial Intelligence-Fund“.

Zudem entwickelten Forscher des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes in Frankfurt und dem Institut für medizinische Virologie des Universitätsklinikums der Goethe-Universität um Prof. Sandra Ciesek ein Verfahren, das es ermöglicht die Testkapazitäten zum Nachweis von SARS-CoV-2 erheblich zu erhöhen. Mit dem verfahren werden Abstriche in Pools zusammengefasst und zusammen untersucht. Nur bei positiven Ergebnissen müssen die Proben anschließend einzeln getestet werden, um den tatsächlich Infizierten zu identifizieren.

Auch an der Technischen Universität Darmstadt steht die Forschung ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Forschende und Studierende engagieren sich hier in verschiedenen Projekten unter anderem zu den Bereichen Visualisierung des Verbreitungswesens, einer App zur Verfolgung der Virus-Ausbreitung, in der Medikamentenentwicklung bei der Simulation von Andockvorgängen, der Forschung zu Selbsthilfe und Fake News und einem Online-Test zum individuellen Ansteckungsrisiko. In Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung Frankfurt am Main entwickeln Forscher der TU Darmstadt zum Beispiel ein Monitoringsystem, welches Coronaviren im Abwasser nachweisen kann und so kommunale Häufungen von Infizierten, die keine erkennbaren Symptome zeigen, deutlich machen kann.

Darüber hinaus bilden die Goethe-Universität-Frankfurt Main, die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt als renommierte Forschungsuniversitäten seit 2015 die Rhein-Main-Universitäten, eine strategische Allianz zur Forschungspartnerschaft in der Metropolregion Frankfurt / Rhein-Main. Mit diesen drei Universitäten, einem sehr breiten Feld an wissenschaftlichen Disziplinen und 1460 Professuren kooperieren sie eng in Forschung, Studium und Lehre sowie einem wertvollen Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft. So wurde vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Videoreihe „Wissenschaftsdialog – Perspektiven auf Corona“ über das „Mercator Science-Policy Fellowship-Programm“ gestartet. Hierin werden die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Gesundheitssystem, die Politik sowie auf Wirtschaft und Gesellschaft von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen diskutiert und erörtert und somit ein Grundstein für zukünftige Forschungsarbeiten gelegt.

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Labordiagnostik

Forschungsansätze der Pharmaunternehmen

Neben der universitären Forschung leisten die forschenden Pharmaunternehmen in der Metropolregion essentielle Beiträge zur gemeinschaftlichen Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Das Pharmaunternehmen SANOFI mit deutschem Hauptsitz in Frankfurt hat bereits eine klinische Phase-1/2 Studie mit einem Impfstoffkandidaten gestartet und plant derzeit den zusätzlichen Einschluss von 400 Erwachsenen. Darüber hinaus plant SANOFI bis Ende 2020 den Start der Phase 3 sowie die Erhöhung der Produktionskapazitäten für Impfstoffe, um bis 2021 bis zu einer Milliarde Dosen produzieren zu können. Hier können Sie mehr erfahren.

Auch das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim hat sich dem kollektiven Kampf gegen das Coronavirus angeschlossen. Dazu stellt das Unternehmen mehr als hundert Wissenschaftler und elftausend Laborstunden in internationalen Konsortien für die COVID-19-Forschung bereit. Außerdem unterzeichnete das Unternehmen gemeinsam mit der Bill & Melinda Gates Foundation und weiteren Unternehmen ein Communiqué zur Verpflichtung zum Weltweiten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen, Diagnostika und Therapeutika.

Das Unternehmen BioNTech/Pfizer am Standort Mainz forscht im Rahmen der Krebsimmuntherapie an Impfstoffen. BioNTech/Pfizer konnte seine ersten Impfstoffkandidaten gegen das SARS-CoV-2-Virus vom Konzept in weniger als drei Monaten in die klinische Testphase bringen. BioNTech-Chef Ugur Sahin sagte in einem Interview der Zeitungen der VRM (Mainz), er rechne bis Mitte November damit, verlässliche Verträglichkeitsdaten zu haben.  Sofern diese Daten eine hohe Verträglichkeit zeigten, plane das Unternehmen die Einreichung der Unterlagen bei der US-Zulassungsbehörde FDA. Auch mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) stehe das Unternehmen in einem engen Austausch. Gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Partners Pfizer legte BioNTech am 09. November 2020 Erkenntnisse aus der entscheidenden Impfstoffstudie vor und erklärte, dass Teilnehmer an der gemeinsamen COVID-19 Studie, die den Impfstoff erhielten, ein um mehr als 90 Prozent geringeres Risiko hatten tatsächlich an COVID-19 zu erkranken. Nach einem beschleunigten Genehmigungsverfahren in den USA, könnte der Standort Marburg zum Hauptproduktionsstandort für den neuen Corona-Impfstoff werden. Laut Unternehmensangaben plant BioNTech für das Jahr 2021 eine Produktionskapazität von bis zu 1,3 Milliarden Impfdosen. Auf Basis dieser Ergebnisse befinden sich Vertreter der Europäischen Kommission in Vertragsverhandlungen. Am 10. November gab die Europäische Kommission bekannt, kurz vor dem Abschluss eines Vertrages über bis zu 300 Millionen Impfdosen zu stehen. Darüber hinaus finden gegenwärtig Verhandlungen mit mehreren großen Impfstoffherstellern statt, darunter auch das Tübinger Unternehmen CureVac.

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Corona-Impfstoff

Gleichfalls optimistisch stimmende Forschungsergebnisse kann CureVac an seinem Firmenstandort in Frankfurt vorweisen. Am 04. September 2020 erhielt CureVac vom Bundesforschungsministerium eine Fördersumme in Höhe von252 Millionen Euro, um die Impfstoffentwicklung zu intensivieren und die Produktionskapazitäten auszubauen. Ende September begann eine klinische Phase-2a-Studie eines aussichtsreichen Impfstoffkandidaten. Schon Anfang November berichtete das Unternehmen von zuversichtlich stimmenden Phase-1-Interimsdaten dieses Impfstoffkandidaten.

Das Unternehmen Biotest aus Dreieich führt eine Phase-2 Studie eines Immunglobulin-Medikaments in Spanien auf Eignung bei COVID-19 Patienten durch und kooperiert in der CoVIg-19 Alliance mit weiteren Unternehmen mit Plasma-Expertise bei der Entwicklung eines COVID-19 Medikaments auf Blutplasma-Basis. Hier können Sie mehr erfahren.

Auch das Darmstädter Unternehmen Merck unterstützt den Kampf gegen COVID-19. Merck liefert ein Medikament auf Interferon-Basis für eine Solidarity- und Discovery-Studie. Zusätzlich unterstützt das Unternehmen die Produktion eines Vektoren-Impfstoffs in Zusammenarbeit mit dem Jenner Institut der Oxford University und wirkt am Konsortium „COVID-19 Therapeutics Accelerator“ sowie mit weiteren 36 Partnern am Projekt CARE mit. Außerdem entwickelt Merck den Produktionsprozess für die Herstellung von Impfstoffen, ein Medikament für stationär behandelte COVID-19 Patienten und ein Medikament mit gentechnischen antiviralen Antikörpern.

Das an der Universität Heidelberg ansässige Unternehmen Apogenix entwickelt ein Medikament mit dem Wirkstoff Asunercept gegen COVID-19, auch hier hat eine klinische Studie am Patienten begonnen.

Zusätzliche Beiträge zur Bekämpfung der Corona-Pandemie

Für die fachgerechte Abfüllung sowie für Lagerung und Transport kommen dann Glasbehälter des Mainzer Spezialglasherstellers Schott zum Einsatz. Schott produziert Glasbehälter für die analytische- und Pharmaanwendung und kann entsprechend mit Karpulen, Ampullen, Spritzen und verschiedenen Fläschchen zum ordnungsgemäßen Transport von Impfdosen beitragen. Entlang der Wissens- und Wertschöpfungskette zur Bekämpfung des Corona-Virus finden sich noch zahlreiche weitere Unternehmen in der Metropolregion Frankfurt / Rhein-Main. Viele dieser Firmen haben sich im Rahmen der Corona-Krise und der veränderten Bedingungen der Absatzmärkte erfolgreich um neue Geschäftsfelder bemüht, so beispielsweise das Unternehmen Koziol aus Erbach. Koziol hat Teile seiner Produktion von der Herstellung von Küchenutensilien aus Kunststoff auf die Herstellung von Alltagsmasken umgestellt, deren Filtereinsätze regelmäßig getauscht werden können.

Alles in allem: die Metropolregion Frankfurt / Rhein-Main ist eine Region, in der zahlreiche Akteure in allen Forschungs- und Entwicklungsbereichen, Branchen, entlang der gesamten Wissens- und Wertschöpfungskette maßgebliche Beiträge leisten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

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